Erschienen in: Verlag Die Werkstatt GmbH, 24.05.2013

Autor(en): SVEN BREMER 

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Die Wunder von der Weser

Wir Menschen lieben Alliterationen: Und so wie „Mars mobil macht“ und „Fischers Fritz frische Fische fängt“, so gehören die „Wunder von der Weser“ zu Werder nach Bremen und eben nicht nach München, Hamburg oder Dortmund!

Viele der in diesem Buch zusammengetragenen Werder-Wunder habe ich selbst auf dem Platz erlebt, andere auf der Bank oder auf der Tribüne als faszinierter Zuschauer, so wie wohl die meisten Leser dieses Buches.

Natürlich ist bei einer solchen Sammlung eine Frage immer naheliegend: Welches war das größte Wunder von allen? In meiner persönlichen Rangliste würde wohl das Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht ganz oben stehen. Zugegeben, es war kein ganz klassisches Wunder, weil es kein K.-o.-Spiel, sondern ein Duell in der Gruppe war. Das Wunder geschah deshalb auch nicht in einem typischen Europapokalrückspiel. Aber wenn man auf dem höchsten europäischen Niveau nach einer Stunde zu Hause 0:3 zurückliegt und im Prinzip mausetot ist, dann aber das Spiel in 30 Minuten zu einem 5:3 dreht, dann ist der Begriff Wunder mehr als angebracht.

Blickt man etwas neutraler auf Werders legendäre Spiele, so kann man wohl konstatieren: Dieses Buch wäre auch geschrieben worden, wenn es Anderlecht nicht gegeben hätte, aber es wäre niemals geschrieben worden ohne die beiden „Initialwunder“ gegen Spartak Moskau und Dynamo Berlin. Von diesen Wundern berichten uns Manni Burgsmüller und Frank Neubarth, so wie übrigens allen Spielen ein besonderer Protagonist zugeordnet ist und uns die Geschichte des Spiels erzählt.

Alle späteren Wunder nahmen auf diese beiden ersten Wunder Bezug. Für alle späteren Spielergenerationen und auch alle Fangenerationen waren sie Inspiration und die Motivation, es doch noch einmal zu versuchen, doch noch daran zu glauben – und sei die Situation auch noch so hoffnungslos! Diese beiden Spiele waren der Anfang und auch Ursprung aller Wunder, weil sie
kollektives „Werder-Gedächtnis“ bedeuten.

Es ist kein Wunder – nicht mal eine Überraschung, dass alle dargestellten legendären Spiele in die Zeit zweier Trainerpersönlichkeiten fallen, die zu Werder gehören wie die Stadtmusikanten zu Bremen: Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Zusammen haben sie die letzten 30 Jahre Werder Bremen geprägt, als Trainer, Thomas aber auch als Spieler. Interessant ist, dass die „Wunderverteilung“
zwischen den beiden wohl einigermaßen ausgewogen ist, wobei die klassischen Europapokalwunder eher bei dem Trainer Otto Rehhagel liegen, schon deshalb, weil unter Thomas Schaaf viel mehr Champions League gespielt wurde!

Thomas Schaaf kennen wir alle sehr gut, weil er ja immer noch unser Trainer ist. Deshalb möchte ich hier nur ein paar Worte zu Otto und seiner Bedeutung für Werder und seine Wunder formulieren.

Otto Rehhagel hat aus meiner Sicht immer drei große Stärken als Trainer gehabt: seine unendliche Leidenschaft für den Fußball, seine Ansprache an die Mannschaft und seine Fähigkeit, den Menschen im Spieler zu erkennen, mit all seinen Stärken und Schwächen, um schließlich aus diesen Spielern das perfekte Team zu bauen. Modern ausgedrückt heißen Ottos Stärken: Motivation, Kommunikation und emotionale Intelligenz!

Wunder kann man, per Definition, nicht erklären, aber diese Eigenschaften von Otto beförderten die Zusammenstellung von Teams, die in der Lage waren, die legendären Spiele zu spielen, von denen sie uns in diesem Buch selbst berichten. Thomas Schaaf war ein solcher Spieler und war auch schon bei den „Initialwundern“ dabei. Vielleicht auch deshalb hat er später als Trainer seinen Spielern den Mut und den Glauben vermitteln können, zu Außergewöhnlichem in der Lage zu sein.

Ich freue mich sehr auf das Buch, weil ich auch viele alte Freunde wiedertreffen werde. Allein ihre Vornamen klingen in den Ohren von Fans sicher schon nach der guten alten Zeit: Mirko, Rune, Wynton, Uli oder Kutzi – sie und viele mehr werden wir wiedersehen! Hoffen wir aber auch, dass wir bei allem Schwelgen in der Vergangenheit nicht die Gegenwart aus dem Blick verlieren und Werder bald wieder Geschichte schreiben kann. Ich wünsche allen Werder-Fans viel Spaß mit diesem wunderbaren Buch, den älteren schöne Erinnerungen und den jüngeren die Erkenntnis, dass es sich lohnt, an Wunder zu glauben, nicht nur im Fußball!

Marco Bode im Januar 2013


Kommentare

"Das neue Buch von Sven Bremer verfolgt durchaus überzeugend ein anderes Konzept. ... Die ehemaligen Profis geben durch die Bank interessante, persönliche und teilweise auch abseitige Blickwinkel. ... Es ist ein buchstäblich wunder-volles Buch geworden.
--Weser-Kurier

Egal, ob es sich um Europapokal-, DFB-Pokal- oder Meisterschaftsspiele handelte, unvergesslich bleiben sie alle. ... Durch stimmungsvolle Fotos wird auch optisch die Atmosphäre jener "Wunder von der Weser" wiedergegeben.
--Rotenburger Kreiszeitung"